Zu Gast bei Susi: Sophia über die Souveränität von Gamer Girls

zu Gast bei Susi

Vielleicht sei am besten direkt zu Beginn gesagt, dass ich das Wort „Gamer Girl“ nicht mag. Ich glaube, diese Meinung teilen viele. Ich persönlich würde mich aber auch so nie als Gamer oder dergleichen betiteln, auch wenn ich viel spiele. Meine Aversion gegenüber des Wortes Gamer Girl kommt aber daher, dass es für mich nicht unbedingt eine weibliche Spielerin beschreibt, sondern vor allem, und sogar noch mehr als das Wort „Gamer“, eine Schublade, einen Stempel bezeichnet, den man gerne von außen auf eine bestimmte Person drückt. Und meiner Erfahrung nach meistens mit einer negativen Absicht dahinter. Wäre es nicht schön, wenn jemand mal mit diesen negativen Assoziationen brechen würde?Mit Schubladen haben zwar alle Gamer auch zu kämpfen. Wir dachten, dass dieser eine Beitrag zur gamescom 2011 von RTL schon äußerst frech und vor allem beleidigend war, es sich innerhalb der über fünf Jahre jedoch einiges geändert hätte und Videospiele mehr in die Mitte der Gesellschaft angekommen seien. Joke’s on you, das einzige was kam, war Sat.1, die nochmal ordentlich sämtliche Klischees um sich warfen.
Offensichtlich möchte ich jedoch über weibliche Spielerinnen sprechen, sonst hätte ich nicht diesen grässlichen Begriff Gamer Girl für die Überschrift genutzt. Doch ich möchte nicht darüber schreiben, dass es Frauen als Gamer besonders schwer hätten. Dass es immer noch einige und anscheinend auch einige in den eigenen Reihen gibt, die Frauen mit dem Hobby Videospiele degradierend als (fake) Gamer Girl bezeichnen und unterstellen, Frauen würden sich nur als Gamerinnen ausgeben, um dem männlichen Geschlecht zu gefallen und Aufmerksamkeit zu erhaschen. Darüber, wie die aktuelle Wahrnehmung im Vergleich zwischen männlich und weiblichen Spielern aussieht, habe ich mit meinen Kolleginnen (und auch mit Input von Susi!) im Pixelfrauen-Podcast zum Thema #Gamergirls bereits gesprochen. Darüber, wie es ist, wenn man tatsächlich im Visier solcher Anfeindungen steht, schrieb Larissa auf Red Riding Rogue in ihrem
Artikel „Das Gamer-Girl Problem“. Ihr merkt, wie negative der Begriff Gamer Girl geprägt ist? An dieser Stelle sei nochmal gesagt, dass hier nicht männliche Spieler als der Feind dargestellt werden sollen, die uns Spielerinnen ständig runtermachen würden. Ihr wisst genauso gut wie ich, dass sowas allgemein von Menschen mit etwas mehr Verstand und beliebig viel Anstand nicht ausgeht. Was nicht heißt, dass es nicht passiert.
Aber dies soll auch kein Artikel sein, indem ich weibliche Spielerinnen in irgendeine Opferrolle bugsieren will. Wie mehrmals angesprochen kommen Anfeindungen meist von außerhalb. Nicht aus unserer Filterbubble oder unserem näheren Umfeld. Ich möchte einen Blick in die eigenen Reihen werfen. Unter uns Gamern bleiben. Und sind wir mal ehrlich: da bekleckern wir Gamer Girls uns auch nicht mit Ruhm. Abseits der Klassiker sexueller Belästigung und Stalking werden Männer online viel öfter als Frauen Zielscheibe für Beleidigungen und Belästigung. Besonders in kompetitiven Onlinespielen fällt es uns leicht. Wir wollen unsere Gegner mit ein bisschen Trash Talk einschüchtern oder unseren Mates nochmal auf emotionale Weise deutlich machen, dass sie nichts zum Team beitragen? Der Schulhof war uns lang genug Übungsplatz unserer Stutenbissigkeit. Ihr denkt, es sei eine Beleidigung für uns, wenn ihr uns sagt, dass wie wir ein Mädchen spielen? Come on, das hören wir seit dem Sportplatz. Für uns ist es hingegen einfach,
wir müssen uns einfach über eure Geschlechtsteile lustig machen. Oder noch schlimmer,
unterstellen, ihr hättet weibliche Geschlechtsmerkmale.
So einfach haben es sich auch die Spielerinnen von Team Siren gemacht. Vor ungefähr einem Monat hab ich zum ersten Mal von Team Siren gehört, zu dem Zeitpunkt war das Team schon längst wieder getrennt und Geschichte. Team Siren war ein all female eSports-Team, was als eines der ersten groß rauskommen wollte in der League of Legends Profi-Liga. Alles war bereits startklar: Sponsoren, ein eigenes Team-Haus, ein aufwendig produzierter Team-Trailer, indem die einzelnen Spielerinnen näher vorgestellt wurden. Nur eines fehlte: das eigentliche Spielen. Nur wenig Infos waren gegeben, an denen man überhaupt ausmachen konnte, ob die Spielerinnen wirklich gut genug waren. Es fehlte an jeglichen Screenshots oder Gameplay-Material. Nie hat
jemand Team Siren als eigentliches Team zusammen spielen sehen. Zumindest bis ein Spieler die Namen seiner Gegner schnell identifiziert und als Team Siren ausmachen konnte. Schnell drückte er den Aufnahme-Knopf, um das Spiel aufzuzeichnen. Und ich möchte an dieser Stelle nicht auf das eigentliche Können der Spielerinnen eingehen. Das wäre auch unfair. Denn offensichtlich waren Team Siren viel zu sehr damit beschäftigt, Beleidigungen in den Chat zu spammen, als dass sie hätten richtig spielen können. Es hagelte „pussy“ oder aber geniereife Bemerkungen wie „pussy so big you can join siren“. Darüber hinaus waren sie fairerweise aber auch wirklich nicht gut, beziehungsweise gut genug für die League of Legends eSports-Liga, da die Ränge der einzelnen Spielerinnen deutlich unter dem Durchschnitt lagen. Keine Überraschung, zehn Tage nachdem das Gameplay-Material samt Chatverlauf online ging, trennten sich Team Siren.
Als ich zuerst von Team Siren las, dachte ich mir „meine Güte, wie cool!“ und das dachte ich mir auch, als ich vor ein paar Tagen las, dass Kim „Geguri“ Se-yeon die erste professionelle Overwatch-Spielerin wird. Leider wurde ich von Team Siren relativ schnell enttäuscht. Verfolge deine Ziele, leb deinen Traum, aber eine Minderheit zu sein macht leider kein spielerisches Können wett. Und vor allem kein Sports(wo)manship. Mit einem so offensichtlich schlechtem Verhalten, das natürlich einen negativen Backlash mit sich bringt, machen wir es uns gegenseitig schwer. Statt einen Standpunkt für weibliche Spielerinnen aufzubauen, bedient Team Siren stattdessen nur weiter das negative Gamer-Girl-Klischee und macht es seinen Genossinnen nicht gerade einfacher, in und außerhalb dieser Gamer-Gemeinde ernst genommen zu werden.
Wie bereits oben angemerkt, bezweifle ich stark, dass die meisten Männer, die dies hier lesen, schon mal jemanden als fake Gamerin bezeichnet und angefeindet haben. Und ich glaube auch nicht, dass auch nur irgendeine Leserin hier nur aufgrund des Geschlechts so gezielt beleidigend geworden ist, wie ich es vielleicht überspitzt dargestellt habe (wobei, was heißt überspitzt, die Sirenen haben gezeigt, dass es Realität ist). Wir können uns aber immer wieder ins Bewusstsein rufen, dass wir vielleicht nur in unserem Umfeld sicher vor Anfeindungen und dergleichen sind.
Wie schnell wir doch zum Ziel werden. Und darüber reden und diesen Missstand ansprechen.
Dafür sorgen, dass die Begriffe Gamer und Gamer Girl irgendwann vielleicht wirklich frei von negativen Konnationen sind und nicht mehr als Stempel Leuten aufgedrückt werden. Und vielleicht auch mal eine Lanze für all die Spieler brechen, die von uns Frauen regelmäßig erniedrigt werden und es nicht nur wir Gamer Girls sind, denen man unser Hobby abspricht und die man erniedrigt.
Aufklärung ist wichtig. Auch ich hätte nicht gewusst, wie oft Männer online beleidigt werden. Genauso die Reaktionen auf Larissas Artikel, viele Männer beteuerten, dass sie sowas noch nie in ihrem Umfeld mitbekommen haben und es schade finden, dass Spielerinnen noch immer mit solchen Anfeindungen zu kämpfen haben. Team Siren hätten als gutes Beispiel voran gehen können, zeigen, dass wir Frauen doch etwas drauf haben.

Team Siren

Team Siren

Stattdessen haben sie den Zug für uns nur weiter in die Kacke gefahren und den Hatern nur weiteres Futter geliefert. Sie hätten zeigen können, dass Gamer Girls durchaus etwas positives der Gaming-Welt beitragen, statt sich wie die letzten Menschen zu benehmen. Aber auch wir selbst, jeder einzelne von uns, können als gutes Beispiel voran gehen und zeigen, dass wir nicht nur schwitzen und stinken, auch mal an die frische Luft gehen und Gaming und Sport sich nicht ausschließen müssen. Dass wir durchaus soziale Kompetenz haben und uns nicht in verbalen Schlammschlachten behaupten müssen. Wir alle können daran arbeiten, innen und außen ein angenehmes Umfeld für uns und unser Hobby zu schaffen. Achja, und: go Kim!Kim Geguri

Was sagst du zu dem Thema? Was für Erfahrungen hast du dazu gemacht?

Danke an Sophia für diesen tollen Beitrag. Andere tolle Sachen von ihr gibt’s hier: 

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Red Riding Rogue und der Twitter Account von Red Riding Rogue

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4 Gedanken zu “Zu Gast bei Susi: Sophia über die Souveränität von Gamer Girls

  1. Hey
    Ich bin ein Mädel, bezeichne mich selbst als Gamer, zocke seit ich ein Kind bin PC und Konsole, spiele fast nur PvP und kenne genug Frauen in meinem Umfeld die richtig (!) gut CS/Overwatch/League/Hots spielen und das schon über Jahre. Die Vorurteile gegenüber Frauen werden sich in der Hinsicht bestimmt auch bald auflösen.

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  2. Hey!
    Ich bin durch Red Riding Rogue auf den Artikel aufmerksam geworden.
    Auf jeden Fall sehr spannend!
    Ich habe mich ehrlich gesagt noch nie mit der Thematik auseinandergesetzt, scheinbar musste ich es bisher einfach nicht.
    Mittlerweile zocke ich gar nicht mehr, das möchte ich aber gerne wieder ändern, ich hab eigentlich richtig Bock, das Bloggen & Lesen nimmt aber sehr viel Zeit ein, bzw. sind einfach Priorität.
    Früher habe ich oft tagelang gespielt, vor allem Fallout. Große Liebe!
    Ich habe jedoch nicht online gezockt, war also ganz für mich und habe nur mit meinen Freunden und Bekannten drüber gequatscht, zwischendurch spreche ich aktuell auch mit Arbeitskollegen drüber. Mir ist da noch nie was blödes, ablehnendes widerfahren, wo ich auch sehr froh drüber bin.

    Ich würde mir wünschen, dass Menschen dem Ganzen einfach mal mehr Toleranz und auch Interesse entgegen bringen würden, vor allem nerven mich Sätze wie „Für eine Frau bist du echt gut“… achja? Du auch, für einen Mann.

    Liebe Grüße,
    Nicci

    Gefällt 1 Person

  3. Zu solchen Kommentaren „Für eine Frau bist du echt gut“ finde ich eine Antwort, die ich irgendwann mal irgendwo im Internet las, ganz bezaubernd. Da ging es aber eher um das Piesacken unter Kindern „du läufst wie ein Mädchen“. Darauf einfach mal antworten „wenn du dich anstrengen würdest, könntest du das auch“. 💪🏻

    Gefällt 1 Person

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