Zu Gast bei Susi: Aschenebel mit The Shape of Water

Serien/Filme

„Dies ist eine Geschichte von Liebe und Verlust“ – So eröffnet die Stimme auf dem Off das neuste Werk des Meisterregisseurs Guillermo del Toro. Es ist jedoch auch eine Geschichte über Freundschaft, über Kunst und über das Anderssein.

Achtung Spoiler!

Seit dem Erscheinen des ersten Trailers habe ich mich sehr auf den Film gefreut. Ich liebe Fantasyfilme seit jeher und magische Wesen und die Filme von del Toro sowieso. Dagegen waren Liebefilme jedoch nie wirklich mein Ding, es sei denn, sie sind tragisch (Bram Stokers Dracula <3) oder haben mit Außenseitern (z.B. Ben X) zu tun. Deswegen hatte ich wirklich hohe Erwartungen an den Film und habe sogar vermutet, dass er sich in die Reihe meiner Lieblingsfilme einschleichen könnte. Ob es so ist, erfahrt ihr in diesem Beitrag.

Der Plot kurz zusammengefasst

36-image-for-the-shape-of-water

© 2017 Twentieth Century Fox

Die 33 jährige, stumme Elisa hat einen ziemlich geordneten Tagesablauf. Aufstehen, Eier kochen, ausgiebig baden, kurz ihren Nachbarn – den mittellosen Künstler Giles – besuchen und dann den Bus zu ihrer nächtlichen Arbeit als Putzfrau in einer Forschungseinrichtung nehmen. Dort säubert sie seit bereits 15 Jahren die Räumlichkeiten mit ihrer besten Freundin Zelda. Eines Nachts bekommt die Einrichtung ein neues Forschungsobjekt – etwas legendiges, animalisches.
Elisa und Zelda werden mit der Reinigung des Labors, in dem das vermeintliche Tier gefangen gehalten wird, beauftragt. Im Zuge dessen lernen sie den Bösewicht des Films Richard Strickland kennen – und hassen. Dieser hat mit seiner Crew das Wesen im Amazonas gefangen und ist maßsteblich an dessen Erforschung beteiligt. Daneben gibt es noch Robert Hoffstetler, der das Tier ebenfalls erforschen möchte.
Elisa tritt im Zuge der Reinigungsarbeiten mit dem vermeintlichen Monster in Kontakt und ist sofort fasziniert von dem Wesen, dass sich als eine Mischung aus Mensch und Amphibie entpuppt. Sie freundet sich mit ihm an, wobei ihr gekochte Eier und Musik eine große Hilfe sind. Währenddessen planen Strickland und Co. das Wesen aus dem Amazonas zu töten und zu sezieren. Auch von der sowjetischen Seite aus, wird die Tötung des Amphibienmenschen beschlossen.
Denn Robert Hoffstetler, der eigentlich Dimitri heißt, ist ein Spion für die Sowjets, die ebenfalls großes Interesse an dem Tierwesen hegen.
Elisa wird Zeugin, wie Strickland das Wesen quält und erfährt, dass es getötet werden soll. Sie beschließt, das Wesen mit Giles aus der Einrichtung zu retten. Bei der Ausführung ihres Plans bekommt sie Unterstützung von Hoffstetler und Giles. Den Rest der Geschichte erfahrt ihr im Kino.

Die Hauptcharaktere

Der Film lebt neben seiner fantastischen Inszenierung der 60er Jahre von seiner Mischung aus ungewöhnlichen Charakteren aus gesellschaftlichen Randgruppen, für die der Film von den Kritikern auch sehr gelobt wird. Die Figuren werden wirklich sehr individuell und charakteristisch dargestellt, sodass man jeden – außer vielleicht Strickland – irgendwie ins Herz schließt.
Elisa
Unsere Hauptdarstellerin ist eine stumme, 33 jährige Waise, die das Beste aus ihrer Situation macht. Sie träumt von einem besseres Leben, ist fasziniert vom Tanz, Gesang und der Schauspielerei. Deswegen trifft sie sich auch regelmäßig mit ihrem Nachbarn Giles zum Schauen von Tanzshows und anderen Filmen. Mit Männern hat sie bisher eher schlechte Erfahrungen gemacht, da sich nie wirklich jemand für sie, sondern eher für das zwischen ihren Beinen interessiert hat. Allgemein wurde Frauen damals nicht viel mehr zugetraut und das merkt man auch im Film. Elisa ist trotzdem niemand, der sich alles gefallen lässt und vor den Herren der Schöpfung kuscht, im Gegenteil. In einem Gespräch mit Strickland signalisiert sie ihm, dass er sich doch gerne „ficken gehen soll“, was von Zelda netterweise mit „vielen Dank“ übersetzt wird.

© 2017 Twentieth Century Fox

© 2017 Twentieth Century Fox

Zelda
Elisas beste Freundin, deren größtes Hobby es ist, sich über ihren Nichtsnutz von Mann aufzuregen. Sie ist nicht so unabhängig wie Elisa und verlässt ihren Mann nicht. Zelda ist schwarz und nicht gerade schlank. Besonders ersteres lässt Strickland sie immer wieder spüren. Anders als Elisa hat sie großen Respekt – oder eher Angst – vor Strickland. Man
kann es ihr aber nicht verübeln, da in den 1960ern große Rassenunruhen in den USA herrschten. Im Verlauf des Films springt sie jedoch über ihren Schatten und hilft Elisa bei der Rettung des Wesens aus dem Amazonas.
Giles
Giles ist homosexuell und Künstler, jedoch leider mittellos, da er nach seinem Outing aus seiner Firma geschmissen wurde. Seitdem bekommt er seine Werke nur noch sehr schwer an den Mann. Zudem ist er bereits über 60, aber im Geist ein Jungspund geblieben. Er sehnt sich nach einer Beziehung, hat es aber als älterer, homosexueller Herr mindestens genauso schwer mit sozialen Kontakten, wie die stumme, alleinstehende Elisa. Und genau deswegen ist die Freundschaft der beiden auch so innig. Im Laufe des Films, bei der Rettung des Wesens, spürt man auch, dass Giles Einsatzbereitschaft nie merklich gealtert ist.

THE SHAPE OF WATER

© 2017 Twentieth Century Fox

„Er“
Er, das Wesen, der Amphibienmensch, der Gott des Amazonas – wunderschönes Design und wirklich sehr sehr toll gespielt. Aber Doug Jones hatte ja auch schon viel Übung für die Darstellung des Ape Sabien aus „Hellboy“. 😉 Er sieht Elisa als erster „Mann“ als das, was sie ist – ein Mensch mit Gefühlen und nicht nur als einen Körper.
Strickland
Richard Strickland ist der Oberbösewicht des Films. Rassistisch, chauvinistisch und sadistisch. Jedoch hat auch Strickland sein Päckchen zu tragen und es gab Ereignisse, die ihn teilweise zudem gemacht haben, was er ist. Man erfährt jedoch im Film nich viel über Stricklands Vergangenheit und selbst wenn, würde das die Antipathie wahrscheinlich nur wenig verringern. Die Darstellung Stricklands wird oft als zu stereotypisch kritisiert, dem ich aber nicht zustimme, eben weil man ganz leicht mitbekommt, dass auch Strickland mit einigen Sachen innerlich zu kämpfen hat.

Mein Lieblingsmoment in The Shape of Water

Mein absoluter Lieblingsmoment ist der, wenn Elisa ihr Badezimmer flutet, um mit dem Wesen zusammen einmal richtig schwimmen zu können. Dieses zieht nämlich nach seiner Rettung vorübergehend in Elisas Badewanne. Ich liebe emotionale Szenen in Zeitlupe (z.B. auch die Tanzszene von Harry und Hermine aus „die Heiligtümer des Todes 7.1“). Man spürt in diesem Moment einfach die absolute Verbundenheit der beiden. Elisa ist in dieser Szene nackt, aber für mich überwiegt definitiv die emotionale Verbundenheit der beiden.

__5a5c710dc872b

© 2017 Twentieth Century Fox

Fazit

Ich fand den Film wunder, wunderschön. Das Ambiente, das Setting, die Farben, die Kameraführung – man merkt, dass hier ein Meister am Werk war. Es ist mehr zudem mehr als gelungen, aus dem einstmaligen „Schrecken des Amazonas“, von dem sich Guillermo del Toro unter anderem hat inspirieren lassen, eine wirklich schöne Mischung aus Amphibie und Mensch zu machen. Die Charaktere wurden authentisch verkörpert und haben alle genug Zeit im Film bekommen, um die einzelnen Eigenschaften und Einzelheiten der Charaktere vorzuführen. Ich fand schon immer diese Art der „Clubs der Loser“ (Stephen Kings „ES“ lässt grüßen) sehr sympathisch und konnte mich immer gut mit den „Mitgliedern“ identifizieren. Für einen Liebesfilm hätten es für mich jedoch noch mehr Liebesszenen sein dürfen.
🙂 Für Leute, die mit künstlerischen Einlagen, wie Tanz oder Gesang nichts anfangen können und viel Action erwarten, ist der Film meiner Meinung nach nichts. Viele Szenen zeichnen sich durch lange Dialoge aus und könnten „normale“ Kinogänger langweilen. Aber bildet euch am besten selber eine Meinung und schaut euch dieses fantasievolle Meisterwerk im Kino eures Vertrauens an.

Vielen Dank an Crestina Celtigar für deinen tollen Beitrag. Schaut doch mal bei ihr auf ihrem Blog,  Instagram– oder Twitter Account oder ihrem Twitch Channel vorbei. 

Advertisements

Ein Gedanke zu “Zu Gast bei Susi: Aschenebel mit The Shape of Water

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s